Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Der alte Schiffer von

Der alte Schiffer

Mitten in der Brandung auf den Felsentrümmern
Ruht der alte Schiffer, schauend in die Fluth;
Unter blauen Wogen, wo die Muscheln schimmern,
Bergen sich Korallen vor des Blickes Gluth.

Durch das Meergebrause ruft er den Erschreckten
Und den Bernsteinwäldern und den Perlen zu:
?Schlaft in euren Tiefen! Die euch sonst erweckten,
Meine Taucherblicke, gönnen euch die Ruh'.

?Glänzt mit eurem Schimmer, euren Purpurzweigen
Ruhig durch die klare, raschbewegte Nacht;
Bleibt in eurer Schöne der Majade eigen,
Zu des Wellenbettes hochzeitlicher Pracht!"

Hören's die Najaden unten in den Wogen,
All die Nereiden steigen still herauf,
Und ein Netz von Klängen, die sein Herz durchzogen,
Schlagen unter Wellen sie dem Fischer auf.

Doch der alte Schiffer schüttelt seine Locken,
In des Auges Muschel schläft die Thräne fort.
Er sieht Netz und Schlingen - die Gesänge stocken,
Seinen Nachen treibt es aus dem Felsenport.

Rasch in sicherm Sprunge steht er in der Barke,
Faßt das Steuerruder mit erfahr'ner Hand:
?Ruhig, Klang und Welle! Euch bezwingt der Starke
Und ihr tragt den Nachen mir zum sichern Strand!"